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Altenburg hat geschlossen - teilweise

Altenburg ist nicht gerade eine Hochburg von Internet-Aktivitäten – und öffentlich kommunizieren muss man eigentlich auch nicht. Wozu? Irgendein Nachbar wir schon wissen, was gerade passiert.

So stellt sich Altenburg am 1. August des Jahres 2016 dar. Man schließt den Nikolaiturm fast gänzlich, von wenigen Öffnungstagen abgesehen. Auch die mit großem Aufwand renovierten „Roten Spitzen“, die überall als Wahrzeichen und Barbarossa-Erbe vermarktet werden, sind geschlossen.

Ist die Schließung an sich schon ein Skandal (für den, wie üblich, niemand in der Stadt verantwortlich sein will), so ist die Kommunikation darüber eine Provinzposse: Man schließt, und niemand weiß es. Warum sollte man auch jemanden informieren? Sie können ja als Tourist kommen und sehen, dass geschlossen ist. Sie sind doch nicht etwas wegen der „Roten Spitzen“ und der Barbarossa Werbung gekommen? Wissen Sie, wir haben auch noch eine Eisdiele. Die hätten Sie ja besuchen können … oder wie?

Die örtliche Zeitung zitiert schulterzuckende Menschen. „Man sei unglücklich über die Situation“, na fein. Wie beruhigend, dass man wenigsten „unglücklich“ ist. Und es ist so „schade“. Und ja – wirklich – für 2017 wird ein neues Modell für die Öffnung der Roten Spitzen „geprüft“. (1)

Mein lieber Schwan! Auf der anderen Seite, also nicht in den Amtsstuben, den Vereinen und Organisationen, die jetzt wehklagen, sitzen Kaufleute im Tourismusbereich. Und die verlangen von den Zielorten ihrer Reisen eine gewisse Zuverlässigkeit. Die Personen, die von den „OVZ“ zum Schließungsskandal befragt wurden, sind möglicherweise nicht die Personen, die etwas ändern könnten. So weit, so gut. Aber wo verstecken sich eigentlich die Leute, die etwas ändern könnten? Altenburg schließt die Tore für den Tourismus – und eigentlich interessiert es kaum jemanden in der Stadt. Oder doch?

(1) Nach Informationen der OVZ vom 2. August 2016.

Jazz passt in jedes Alter

Jazz in jedem Alter - Hot and Blue

Jazz passt in jedes Alter – doch offenbar nicht mehr zur Jugend: Im Garten des Altenburger Teehauses war die „Generation 65-plus“ so gut wie unter sich. Die 1973 in Meerane gegründete „Hot and Blue Jazzband“ gab jedenfalls alles, um das Altenburger Publikum zu begeistern – inklusive einer launigen Version von „Ice Cream“ mit deutschen Texten. Die Band, die als „Dixieland Band“ angekündigt wurde, ist eine Amateur-Jazzband, die einst von Medizinstudenten gegründet wurde. Ihre Repertoire reicht von der ODJB über King Oliver, Jelly Roll Morton bis zum legendären Fats Waller. Im Vordergrund das Gründungsmitglied der Band, Klaus Kirst, der früher Arzt in Starkenberg war.

Landkreis Altenburg – stark oder schwach?

Rankings sind ein bisschen wie Orakel, verstecken sich aber hinter Objektivität. Und so ist es auch dem Altenburger Land ergangen: Im Ranking des „Prognos Zukunftsatlasses 2016“ von 402 Landkreisen (Kreise und kreisfreien Städten) liegt das Altenburger Land im Durchschnitt nur auf Rang 391 von 402. Das allerdings ist nicht das Entscheidende: Dem Landkreis werden „hohe Risiken für die Zukunft“ attestiert, die vor allem aus einer unerklärlichen Dynamikschwäche des Landkreises entstanden sind. Wer sich die Karte ansieht, wird feststellen: Alle Anrainer des Altenburger Landes entwickeln sich dynamischer als das Altenburger Land, selbst der Vogtlandkreis und der Erzgebirgskreis.

Dass Stillstand immer Rückschritt ist, sollte dies die Verantwortlichen der Stadt Altenburg und des Landkreises Altenburg eigentlich alarmieren, doch wie man in verschiedenen Zeitungen lesen kann, geht dies zumindest der zuständigen Landrätin kalt den Rücken herunter. Jedenfalls ergab die Reaktion auf die Studie bislang kaum mehr als die üblichen Schuldzuweisungen und Ausreden. Nachdem Detlef Zschiegner (FDP) Die Landrätin Michaele Sojka (Die Linke) etwas unqualifiziert angriff, konterte diese mit dem üblichen Larifari: „Niemand habe in der Zeit knapper Kassen ein Patentrezept“.

Nein, das erwarten wir nicht – aber wir erwarten als Bürger, dass Politiker überhaupt ein Konzept haben. Und dieses Konzept müsste vielleicht auch noch überzeugend sein und sichtbare Früchte tragen. Da reicht es eben nicht, sich hinter Floskeln zu verstecken wie „es gäbe durchaus Fakten, die eine positive Entwicklung erkennen ließen.“

Aha, „durchaus“. Nur: Wo sind sie? Worauf zielen sie? Wann werden sie wirksam? Beleidigt sein ist auch keine Lösung.

Brüderkriche bis auf den letzten Platz gefüllt

Auch die letzten Plätze auf der Empore waren besetzt,
Gestern war die Altenburger Bürderkriche bis auf den letzten Platz mit positiv denkenden Menschen gefüllt, die ein Zeichen gegen populistische Parolen setzen wollten. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass so viele Bürger kommen würden.

Zeitzeichen aus Altenburg

Altenburg - 19.Oktober 2015

Zeitzeichen: Bürger guten Willens versammeln sich vor der Brüderkirche, um ein Zeichen für Lebensfreude, Zuversicht und Toleranz zu setzen. Im Hintergrund die Anhänger von Thügida.

Fröhlicher Swing im Garten des Ritterguts Treben

Alle Mitglieder der SWING Delikatessen im Bild
Fröhlicher Swing und hübsche Unterhaltung bei erstaunlich gutem Wetter – das sind die besten Voraussetzungen für ein Freiluftkonzert.

Swing war immer zweierlei: der Big Band Swing mit seinen charakteristischen Saxofonsätzen und der Small Band Swing, der von kleinen Ensembles gespielt wurde, bei denen sich die Rhythmusgruppe mit Klarinettisten, Saxofonisten und Trompetern zusammenfand – vom Quartett bis zum Oktett.

Sang mit Hingabe: Laura Hempel
Doch nun zum Konzert, das ich mit einem Lob auf Fleiß und Durchhaltevermögen der Frau im Hintergrund beginnen will. Ich bewundere immer wieder die Schlagzeugerin Eva Klesse, die nahezu alles betrommelt, was jazzig ist, und die nur selten einmal wirklich zeigen kann, was in ihr steckt. Mit ihr in der Rhythmusgruppe saßen Daniel Vargas am Bass und Florian Kästner am Klavier.

Die Gruppe „Swing Delikatessen“ verzichtet leider auf die swingtypischen Saxofone und hat als einzigen Bläser den Posaunisten Ludwig Kociok. Wer so besetzt ist, schränkt sein Repertoire naturgemäß ein – und muss ein wenig ausweichen, wenn es wirklich um den traditionellen Swing geht, der ja „eigentlich“ von Bläser dominiert wurde.

Die kleine Swing-Combo diente dann auch hauptsächlich dazu, die beiden Sänger der Gruppe zu begleiten: Da war einmal der sanfte Gesang des Jazzsängers und Stepptänzers Arnfried Auge, und dann die überragende Bühnenstimme der Sängerin, Pianistin und Entertainerin Laura Hempel. Schnell wurde klar, dass Laura Hempel die Bühne nach Belieben beherrschte: Nicht nur ihr Gesang, auch ihr Auftreten wirkte nahezu perfekt. Vor allem im Duett zeigte sich, wie die Laura Hempel sich in den Vordergrund sang und spielte.
Musikalischer Flirt: Baby, it's cold outside


Insgesamt war es ein vielfältiges, unterhaltsames und zuweilen auch musikalisch anspruchsvolles Konzert mit swingender, eingängiger Musik für ein breites Publikum.

In Altenburg: Hot Club d’Allemagne und Gipsy Jazz

Zunächst einmal: Gipsy Swing gibt es so wenig wie „Zigeunerjazz“, aber der Begriff ist einfach nicht aus der ohnehin reichlich manipulierten Jazzgeschichte zu radieren.

Gibt es "Zigeunerjazz"?

Im Grunde war „Zigeunerjazz“ etwas ganz anderes – nämlich der erste eigenständige europäische Jazzstil, und im Grunde standen für ihn nur drei Namen. Der „Hot Club du France“ als Markenzeichen, der geniale Gitarrist und Komponist Django Reinhardt und der Geiger Stéphane Grappelli, der gemeinsam mit Reinhard für den eigenartigen Klang dieser Musik sorgte. Hinzu kamen noch zwei weitere Musiker, von denen einer die Gitarre und der andere den Bass spielte, die aber nur eine geringe Bedeutung für die Entwicklung dieser Musikrichtung hatten. Der „spezielle Klang“ entstand neben der ungewöhnlichen Kombination von Gitarre und Violine vor allem durch die veränderte Rhythmusgruppe – man verzichtete auf das Schlagzeug ebenso wie auf das (im Swing ansonsten bedeutende) Klavier.

Was heute als „Gipsy Jazz“ gespielt wird, ist zumeist ein Abklatsch des Ensembles des „Hot Club de France“, was am deutschen Publikumsgeschmack liegen mag. In Ungarn hingegen gibt es zahllose Weiterentwicklungen des Jazz durch bekannte Roma-Künstler, die jedoch zumeist recht ungewöhnlich klingen – zum Beispiel durch die Verwendung alter Roma-Instrumente wie dem Zymbal, durchaus aber auch durch Bläser und Schlagzeuger.

Das Konzert

Doch zurück nach Deutschland, um zum Konzert in Altenburg. Hier spielte der „Hotclub d’Allemagne“ teils traditionelle Reinhardt-Titel, teils Stücke, die im Swing an Popularität gewannen und teils Eigenkomposition. Soweit die Reinhardt-Titel betroffen waren, wurde schnell klar: Gitarrist Karl-Heinz Vogel beherrschte das dem Schöpfer dieser Musik nachempfundene Spiel meisterhaft und harmonierte dabei perfekt mit dem Geiger Thomas Prokein, der mit einer fünfsaitigen Violine auftrat. Dass beide mehr konnten, als den reinhardtschen Sound auf die Bühne zu bringen, bewiesen sie durch technisch brillant ausgeführte Eigenkompositionen.

Wie nicht anders zu erwarten, blieben die beiden „Rhythmusschaffer“ etwas im Hintergrund, was, wie bereits zuvor angedeutet, typisch für die Musik der damaligen Zeit war. Sie sollen nicht unerwähnt bleiben, denn auch sie sind Meister ihrer Instrumente: der Gitarristen Klaus Jacob und den Bassist Hendrik Bertram.

Ob reinhardsche Frühwerke oder die hohe Kunst, auf Violine und Gitarre swingenden Jazz und elektrisierende Weltmusik zu spielen – das Publikum im ausverkauften Teehaus zu Altenburg war überzeugt und spendende viel Beifall.

„Le Soulbrothers“ in Altenburg: warum dies keine Konzertkritik ist

Stets selbstbewusst im Vordergrund: Christian Noack

Ich will und muss diesem Artikel einen Satz vorausschicken: Dies ist keine Konzertkritik.

Der Ort, an dem alles stattfindet, ist der Agnesgarten, der sich im Innenhof des Schlosses zu Altenburg befindet. Irgendwann einmal erwarb ich die Karten für ein Konzert, bei dem “Souljazz erster Güte“ angeboten wurde. Nun hat die Musikbranche etwas mit dem Zirkus gemeinsam: die Übertreibung beim Anpreisen der Künstler und deren Darbietungen. „Ah, also Souljazz,“, dachte ich, „erste Güte“ geflissentliche als PR-Theater überlesend.

Soul Jazz (dies für die im Jazz wenig Belichteten), ist eigentlich kein Jazz-Stil, sondern eine Richtung des Hard Bop. Bedeutende Pianisten haben die Themen komponiert, und nicht minder bedeutende Saxofonisten haben sich tief in die Seele der Fans geblasen. Was eigentlich dazugehört – nun ja, das ist wirklich schwierig. Ray Bryant ebenso wie Charles Mingus, Bobby Timmons ebenso wie Nina Simone. Für Jazz-Analphabeten: Frauen und Männer, die ihre Seele heraushängen ließen, von ersten Erfahrungen mit aufregender Kirchenmusik (Gospel) stark beeinflusst waren und den Blues sozusagen im Blut hatten, wurden gemeinhin dem Soul-Jazz zugeordnet.

Oh yeah, baby. Irgendwie hatte ich nicht weitergelesen, obgleich ich hätte wissen müssen, dass die Presse gerne etwas in die Überschrift schreibt, was dann im Text gar nicht vorkommt. Dieser Text las sich dann nämlich so:

Mit ihrem Repertoire an modernst aufgemischten Soulclassics und Popsongs im jazzigen Gewand modernen Retro-Pops, überzeugen die beiden Schlitzohren die Trommelfelle eines jeden Zuhörers.


Da ich es nicht gelesen hatte, wunderte ich mich ein wenig über das Publikum – einige (wenige) Paare höheren Alters, die die 1960er Jahre wohl noch als „Twens“ erlebt hatten, mischten sich mit einer beachtlichen Anzahl von in Gruppen einfallenden Zuschauerinnen mittleren Alters. Mich erinnerten sie ein wenig an „Damenkränzchen“ – doch man hat mir dringend nahegelegt, diesen Ausdruck zu vermeiden.

Über die Musik will ich dreierlei sagen: erstens: Die Musiker waren allesamt ausgezeichnet, und sie stellten dies auch unter Beweis. Zweites: Die drei Herren und die eine Dame hatten offenbar eine andere Auffassung von Soul-Jazz als ich. Und drittens schien mir, als ob die ganze Veranstaltung dem Sänger und Gitarristen Christian Noack gewidmet war, der ganz offensichtliche ein Liebling der Altenburger Damen ist.

Wie auch immer – man amüsierte sich, und die Damen folgten der Verführung des smarten Barden, sich tanzend auf der Grasfläche vor der Bühne zu produzieren.

Ich muss Sie alle an den ersten Satz erinnern: Dies ist keine Konzertkritik, es war heiß und schwül, man trank Bier und Wein, tanzte und war fröhlich.

Gespielt und gesungen haben: der stark hervorgehobene Christian Noack (Gesang, Gitarre), das geniale Multitalent Daniel Barke (Gesang, Piano, Tenorsaxofon) sowie Christian Sievert (Gesang, Bass). Am Schlagzeug saß, wie immer konzentriert und sicher, die Drummerin Eva Klesse. Gemeinsam nennt man sich (in dieser Formation) Le Soulbrothers.

Mehr Bilder von "Unsere kleine Zauberflöte"

Mehr Bilder von der Aufführung "Unsere kleine Zauberflöte" zu Altenburg, aufgeführt im Landestheater am 07. Juli 2015 von Grundschülern.

Papageno ist sichtlich unbeeindruckt

Gutes Schauspiel, gekonnter Tanz


Solistinnen

Eindrucksvolle Solistinnen


Die Jüngsten waren zauberhafte Fabeltiere

Alle durften ihr Können zeigen


Kräftige Stimmen - der Chor

Gesangsstark und immer gut drauf: Der Chor



Finale

Da Ensemble - Schüler der Klassen Eins bis Vier der Freien Grundschule Altenburg


Unsere kleine Zauberflöte

Papageno und Papagena in der "kleinen Zauberflöte"
Mozarts Singspiel von den Schülern einer Grundschule aufführen lassen? Geht denn das? Oh ja, es geht, wenn man aus der großen Zauberflöte eine etwas kleinere Zauberflöte macht. Und äußert engagierte Schüler hat, die sich dieser Aufgabe mit großem Eifer und ebensolchem Talent stellen.

Was das alles ergibt? Ein erstaunlich farbiges, wohlinszeniertes Singspiel, an dem alle Beteiligten ihre helle Freude hatten.

Schikaneder (1) hätte geschmunzelt - und Mozart sicher auch.

Das Bild stammt aus der Aufführung der freien Grundschule Altenburg im hiesigen Landestheater vom heutigen Nachmittag.

(1) Schikandeder schrieb das Libretto.

Carmina Burana

Vorbereitung: die Instrumente stimmen


Auch bei etwa 30 Grad und einer gewissen Schwüle in Altenburg ein Vergnügen.

Altenburg – Laden/Büro zu vermieten (Innenstadt)

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Altenburg - Laden (Büro) preiswert zu vermieten


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Rote Nebel über Thüringen – oder Lichtgestalt Ramelow?

Bevor ich mich politisch äußere, gehe ich gerne über den Markt. Oh, es gibt sie weiterhin: Thüringer Würste mit Thüringer Senf. Soviel hat die Wahl von Bodo Ramelow zum ersten linken Ministerpräsidenten also nicht verändert. Doch die Gespräche auf dem Markt zeigen: Nun liegt roter Nebel über Thüringen. Kaum jemand weiß, was die neue Regierung will oder kann, und nur wenige trauen ihr etwas zu. „Das Regieren wird wohl schwer werden, aber ich denke, sie schaffen es, das Land zu verwalten. Das ist auch wichtig.“ Ein Satz aus dem Nebel, der vermutlich mehr Wahrheit beinhaltet, als es der neuen Regierung lieb sein kann.

Nein, da fehlt eindeutig das proletarische Triumphgeschrei, das viele erwartet haben, wenn zum ersten Mal ein dunkelroter Ministerpräsident gewählt wird. Möglich, dass diejenigen Thüringer, die immer noch der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands nahestehen, nicht viel halten von Bodo Ramelow - den die "Frankfurter Rundschau" als den „Gemäßigtsten der Gemäßigten in der Linkspartei“ bezeichnete.

Wie kam es, dass die Linkspartei, die immer noch eher die SED-Nachfolgepartei gilt, in Thüringen zu so viel Macht bekam?

Die Linkspartei profitiert vom Versagen der CDU und der Schwäche der SPD

Da wäre zunächst die Vorgeschichte: Die CDU in Thüringen stellet zwar bisher die Ministerpräsidentin, doch fehlte es ihr als Person und der CDU als Partei an Profil. Ein bisschen Bürgerlichkeit, ein bisschen Christentum, die Werte von Ehe und Familie - das begeistert auf Dauer keinen Menschen im Osten. Hinzu kommen die Unzufriedenen von überall, aber eben auch vom rechten Rand. Von dort also, wo die Demokratie dem Kanarienvogel des Bergmanns gleicht: Zuerst sterben ein Paar Freiheiten, dann stirbt auch der Rest der Demokratie. Auf der anderen Seite sieht es ebenso kläglich aus: Die SPD ist in einem beklagenswerten Zustand, weil sie in Ostdeutschland keine Verankerung in der Arbeiterschaft und der kritischen Bürgerschaft hat. Bliebe also die Linkspartei, die heute als eine Art „Heimatpartei des Ostens“ angesehen wird. Viele Thüringer identifizieren sich mit ihr so stark wie mit der Rostbratwurst. Deshalb wählt man sie. Kaum jemand der vielen Linkswähler wollte vermutlich den gemäßigten Ramelow wählen, aber nun hat man es eben die Linkspartei gewählt, weil man im Herzen immer noch „DDR“ ist.

Am Ende wurde Bodo Ramelow also zum Ministerpräsidenten gewählt – niemand hat es mehr verhindern können, und vermutlich hat es auch niemand mehr verhindern wollen, zumal die „alte Tante CDU“ am Ende nur noch das erbärmliche Bild eines politischen Trödlers hinterließ. Aus dieser Sicht steht Bodo Ramelow als Person tatsächlich wie ein Hoffnungsträger da. Nun muss er nur noch politisch wirksam werden, muss beweisen, dass ein Mann ohne einschlägige Erfahrung, mit Gegnern in der eignen Partei und zwei Koalitionspartnern, auch zum Regieren bereit ist.

Interessant für die Betrachtungen außerhalb Thüringens: Der politische Kommentator der „Frankfurter Rundschau“, Stephan Hebel, reklamiert bereits, dass Ramelow möglicherweise nicht „links genug“ ist und behauptet, „dass … auch im demokratischen Spektrum noch Platz ist links von Ramelow.

Es ist Stephan Hebels gutes Recht, dies zu schreiben. Aber er deckt damit auf, dass der Kommunismus von vielen Redakteuren nicht als Gefahr, sonder, als demokratischer Segen angesehen wird. Und das geht mir einen Schritt zu Weit, zumal, wenn man dies aus einer westdeutschen Redaktionsstube heraus schreibt. Was wäre wohl, wenn ein Redakteur in Deutschland geschrieben hätte: „Es gibt im demokratischen Spektrum noch einen Platz jenseits von Bernd Lucke?“

Abgesehen von der Lobpreisung aus dem deutschen Westen - noch liegt viel roter Nebel über der zukünftigen Politik in Thüringen. Wem es ein Trost ist: 34 Prozent Thüringens bestehen aus Wald. Dem schadet der Nebel nicht. Und man wir wohl schaffen, die restlichen 66 Prozent noch irgendwie zu verwalten.

Wie die innere Wiedervereinigung geistig torpediert wird

Friedrich Schorlemmer ist ein angesehener Mann, daran kann kein Zweifel bestehen, und er verdient dieses Ansehen. Auf der anderen Seite ist er einer jener Menschen, die glauben, die Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit für sich gepachtet zu haben. Nicht wenige evangelische Pfarrer, die ich kennenlernte, sind von ähnlicher Natur. Ihr Motto könnte sein: „Gott ist gerecht, und will ich an ihn glaube, ist mein Urteil über die Welt ebenso gerecht.“

Dieser Herr Schorlemmer hat einen Artikel verfasst, nachzulesen bei ihm selbst, aber auch veröffentlicht in der „Leipziger Volkszeitung“. Seine wesentlichen Aussagen bestehen in dreierlei. Erstens, dass Friedrich Schorlemmer der edlere und aufrichtigere Mensch gegenüber Wolf Biermann ist. Zweitens, dass es ganz schlecht und ganz falsch war, was Biermann im Bundestag sagte, und drittes, dass sich die armen Bescholtenen nicht einmal wehren duften.

Biermann sei, so Schorlemmer, ein „begabter Narziss und ein gefährlicher Rechthaber“ – Attribute, die etwas abgewandelt auch für Friedrich Schorlemmer zutreffen könnten, wenn sie wahr wären. Einen 78-jährigen Poeten und Liedermacher ohne Gewaltpotenzial einen „gefährlichen Rechthaber“ zu nennen, ist schon von Grund auf eine Unverschämtheit. Doch es kommt noch dicker: Schorlemmer vergleicht Biermann mit Mielke, um ihn mit niederträchtiger Polemik anzugreifen:

Er wendet sich an die Linken mit seiner herrschaftlichen Ihr-Anrede, um sie niederzumachen, dieser ehemalige Genosse. Der letzte, der solches herrschaftliches „Ihr“ in einem deutschen Parlament gebraucht hatte und dafür ausgelacht wurde, war vor fast genau 25 Jahren Erich Mielke am 13. November 1989 in der Einheitsfront-Volkskammer gewesen.


Nun gut, mag man sagen, da greift ein älterer Pfarrer einen bereits außerordentlich betagten Liedermacher an, der ihm nicht liegt. Was soll’s? Was gehen uns diese beiden Personen der Geschichte eigentlich noch an?

Wer dieser Meinung ist, wird bald eines anderen belehrt. Schorlemmer weiß das Volk der Ex-DDR hinter sich. Wie so viele andere war er ein Gegner der Wiedervereinigung des deutschen Volkes. Doch während sich bei anderen durchsetzte, dass es keinen „Sonderweg DDR“ geben könne, wollte Schorlemmer ihn. Und er steht bis heute dazu. Ziel war damals, eine politische und wirtschaftliche „Vereinnahmung“ der DDR zu verhindern. Seither pflegen viele Ex-DDR Bürger die Illusion, es wäre damals möglich gewesen, aus dem ökonomischen und ideologischen Trümmerhaufen DDR aus eigener Kraft einen neuen Staat zu schaffen. Wahrscheinlich wird sich diese Märchen noch lange halten. Zugleich aber torpediert man mit dieses Wunschvorstellungen die „innere Wiedervereinigung“, und der erste Satz dazu würde heißen: „Ich bin Demokrat, Deutscher und Europäer.“

Ein Teil der Ex-DDR-Bürger klatschten Schorlemmer Beifall. „Die Mehrheit der DDR-Bürger“, so tönt ein Leser der LVZ, habe ich eine „selbstbewusste, eigenständige, mit dem Westen Deutschland friedlich konkurrierende DDR gewünscht.“

Man könnte, wenn man wollte, die Rhetorik dieses Satzes untersuchen, und würde man es tun, so würde, man feststellen, dass er „das Gestern“ zementiert: „DDR-Bürger“, „der Westen Deutschlands“, die „friedliche Koexistenz zweier deutscher Staaten.“

Auch die konnte man unschwer aus den vielen positiven Leserbriefen an die LVZ herauslesen: Vielen Menschen ist immer noch nicht klar, dass man zu Anfang einen falschen Eindruck von der eigenen Situation haben kann, ihn aber später durchaus korrigieren darf. Denn nicht nur in der damaligen DDR gab es Mahner, die vor einer Wiedervereinigung warnten, in der „alten Bundesrepublik“ war sie ebenfalls umstritten. Heute, gegen 25 Jahre danach, sollten eigentlich beide Seiten froh sein, dass sich diejenigen durchsetzten, die eine Wiedervereinigung wollten.

Übrigens wäre es schön, wenn die Menschen in Brandenburg, Sachsen, Sachen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern endlich sagen würden, sie seien Deutsche, von Europäern ganz zu schweigen. Aber selbst das scheint ihnen schwerzufallen.

Mindestlohn: der größte sozialpolitische Irrsinn - niemand gewinnt

Rot ist teurer - aber nicht besser
Ist es gut, wenn Löhne über Nacht um 10, 20 oder gar 30 Prozent steigen? „Natürlich nicht“, werden alle denkenden Menschen empört aufschreien – dann steigen die Preise ja ins Unendliche, und daraufhin müssen auch die Löhne wieder steigen.

Das Gute: Nicht alle Löhne steigen. Das Schlechte: Einige Löhne steigen viel zu stark – so stark, dass sie Begierden wecken bei all jenen, die heute zwischen neun und zehn Euro verdienen – in teils durchaus anspruchsvollen Berufen. Nichts Neues, dass auch Selbstständige sich von der Regierung angepisst fühlen, denn sie verdienen teils deutlich unter 8,50 EUR – denn bei den 8,50 ist man schon krankenversichert, rentenversichert und hat Anspruch auf Erholungsurlaub.

Mit recht unzufrieden: Fachkräfte

Bleiben wir bei den Arbeitnehmern: der „Kollege nebenan“ bezieht Mindestlohn und verdient in der Woche nur 60 Euro weniger als der qualifizierte, gelernte und engagierte Arbeitnehmer, der täglich die Interessen des Unternehmens nach außen vertritt, wie eine Fachverkäuferin beispielsweise?

Das alles ist kein Scherz, sondern die Realität. Wenn der Staat in die Tarifhoheit eingreift, indem er „Mindestlöhne“ per Regierungs- und Parlamentsdiktat durchsetzt, schafft er Unruhe in der Arbeitnehmerschaft. Denn nun gibt es Anreize für andere, nun endlich ihren „gerechten Lohn“ durchsetzen wollen. Einen Lohn, dessen Durchsetzung möglicherweise gerechter ist als die des (auch unter Arbeitnehmern) verhassten Mindestlohns.

Nicht sozial, nur teuer

Nahezu überall, wo geringfügige Dienstleistungen oder Zuträger-Arbeiten angeboten werden, sind die Preise bereits erhöht worden oder sie stehen kurz vor der Erhöhung. Der Bäcker kalkuliert bereits mit einer Kostensteigerung von 20 Prozent. Der Taxiunternehmer rechnet heute sogar mit 25 – 30 Prozent Steigerung. Der Friseur mit viel Personal denkt an Entlassungen, und jener mit wenig Personal kann seine Friseurinnen nur noch dann bezahlen, wenn auf einen Kunden sofort der nächste folgt. Leerzeiten sind dann einfach unbezahlbar. Taxis werden deutlich teurer, Handlangerdienst so gut wie unbezahlbar, und Hotels wie auch Gaststätten sind gerade dabei, neue Personal- und Kostenkonzepte zu erstellen. Der eine oder andere Betrieb wird nun das Handtuch werfen – und die Zirkusse, ohnehin immer am, Rande der Kostenschere, werden teilweise aufgeben. Die Folge: Entlassungen und Arbeitslosigkeit.

Sozial war gestern - Mindestlohn ist heute

Und für wen ist der Mindestlohn nun „sozial“? Für die Bezieher, die jetzt vielleicht wirklich 60 Euro mehr verdienen, falls der Chef nicht die Notbremse zieht? Entlassung oder weniger Wochenarbeitszeit? Und: Was auf der einen Seite mehr verdient wird, muss auf der anderen wieder ausgegeben werden. Die Bezieher kleiner Einkommen werden ganz erheblich dafür blechen müssen, dass andere Bezieher kleiner Einkommen mehr Lohn bekommen, damit sie auch teurer einkaufen können - was für ein sozialer Unsinn!

Alle zahlen mehr, kaum jemand gewinnt

Man könnte argumentieren, dass es nicht die „kleinen Leute“ sind, die oft zu Friseuren gehen, Taxis nutzen oder andere Dienstleistungen in Kauf nehmen. Aber sie trifft es eben besonders schlimm. Eine Fernfahrt zum Facharzt hin und zurück wird bald gegen 74 Euro kosten (heute 49 Euro) - das sind Mehrkosten von 25 Euro (1). Und weil jeder irgendwann mal irgend etwas in Anspruch nimmt, woran ein Mindestlohnempfänger verdient, werden am Ende alle bestenfalls gleich viel Geld, möglicherweise aber deutlich weniger haben. Wenn sie nicht gleich auf die Straße gesetzt werden, weil den Chef die Lust verlässt, unter immer schwereren Bedingungen noch Personal zu beschäftigen.

Angeschmiert von Links

Im Grunde werden wir alle angepisst vom Mindestlohn – und wir sollten wirklich niemals vergessen, dass uns genau dies die SPD – die Sozialdemokratische Partei Deutschland – eingebrockt hat. Es hätte freilich noch schlimmer kommen können, wenn die Sozialdemokratie sich mit der Partei „Die Linke“ zusammengetan hätte. Ist das ein Trost? Ich denke nicht. Mindestlohn ist keine soziale Tat, sondern sozialer Beschiss.


(1) OVZ vom 14.11.2014, Lokales/Altenburg

Ein kleiner Nachtrag: Auf dem Markt zu Altenburg ist der Mindestlohn das Thema Nummer eins. Allgemeine Beobachtung: Die Angestellten der Marktbeschicker strahlen, weil mehr Geld in die Kasse kommt. Man gönnt es ihnen, schaut aber skeptisch auf die Preiserhöhungen, die je nach Produkt durchaus mal 30 Prozent ausmachen. Und als "Beschissene" bei alldem fühlen sich die Kleinrentner. Deren Einkommen steigt nämlich nicht über Nacht um 25 oder gar 35 Prozent. Soweit dazu, dass gerade die "kleinen Leute" jetzt Jubeln und Jauchzen.